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AKTUELL

Franzjosef Roner: Überlegungen zur Doppelstaatsbürgerschaft | Bozen, 09.01.2010

Der Vorschlag, den Südtirolern die Möglichkeit einzuräumen, zusätzlich zur italienischen Staatsbürgerschaft auch die österreichische anzunehmen, ist sehr zu begrüßen.

Damit kann die Identität der Südtiroler gestärkt werden, ohne jemandem etwas zu nehmen. Das Argument der simplifizierenden Aussage: „In deinem Ausweis steht Italiener, also bist Du einer“ würde formal in den Hintergrund rücken und die kulturelle Identität in der Substanz könnte positiv bestätigt werden.

Ganz wichtig ist dabei auch noch, dass die Wahl der österreichischen Staatsbürgerschaft freiwillig ist. Nur wer selber will, der wird als österreichischer Staatsbürger eingetragen. Und zwar ohne die italienische Staatsbürgerschaft zu verlieren. Auch dies ist wichtig, damit nicht Rechtsunsicherheit entstehen kann (bleiben Rechte als Staatsbürger bestehen?) und um nicht eine neue Volksgruppe entstehen zu lassen (Österreicher als vierte Volksgruppe?).

Die freie Wahl, zusätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen, soll jedem in Südtirol geborenen Bürger zugestanden werden. Mit dieser einfachen Regelung soll vermieden werden, dass durch Ahnenforschung unliebsame Erinnerungen genährt werden bzw. soll auch Menschen, die in Südtirol eine neue Heimat gefunden haben und die angestammte Kultur und das überlieferte Brauchtum schätzen, die Chance bieten, die doppelte Staatsbürgerschaft zu erringen.

Unser Südtiroler-Dasein würde dadurch etwas ausgeweitet (das Eingeigelt-Sein unserer Autonomie „allein wir als Südtiroler nur auf uns selber bezogen“ würde formal etwas geöffnet) und einen deutlichen und nachhaltigen Verankerungspunkt in der österreichischen Kultur finden und würde damit sogar etwas europäischer, zumindest der Form nach, und an einer größeren (größer als Südtirol) europäischen Kultur formal verankert.

Südtiroler als Weltenbürger. Wenn Südtiroler im Ausland sich aufhalten oder reisen, sind sie heute gezwungen, sich als Italiener zu identifizieren und auch die formalen Verwaltungsakten nur rein über italienische Botschaften bzw. Konsulate abzuwickeln. Die österreichische Staatsbürgerschaft würde den Südtirolern die Chance bieten, auch im Ausland ihrer kulturellen Identität gemäß formal aufzutreten und die österreichischen Verwaltungseinheiten formal korrekt zu benützen.
Auch für die Studenten wäre diese Gleichstellung an den Hochschulen ein Vorteil, weil nicht nur auf Grund von gegenseitigen Abkommen, sondern einfach als „Mitbürger“ das Studium gleichgestellt würde.

FJR